Wenn ich sage, dass ich mein Heimkino selbst gebaut habe, klingt das schnell so, als hätte ich auch jede akustische Entscheidung allein getroffen. Genau das wäre aber die falsche Geschichte. Den Raum habe ich praktisch vollständig selbst umgesetzt. Der technische Rahmen kam von Holger Franz und Heimkinobau: Raumakustik, Lautsprecheranordnung und das Double Bass Array wurden professionell geplant. Anfang November 2025 nahm Holger das fertige System gemeinsam mit mir in Betrieb und führte die Einmessung mit MultEQ-X durch.
Diese Aufteilung war bewusst gewählt. Nach den Erfahrungen mit meinem alten Kino wollte ich viele Wochenenden und viel Material nicht erneut auf Versuch und Irrtum aufbauen. Ein belastbarer Plan sollte die Richtung vorgeben; meine Aufgabe war es, ihn in einen realen Raum zu übersetzen.
Warum das alte Kino weichen musste
Mein Kinoraum ist ungefähr 5,60 × 3,60 Meter groß, also rund 20 Quadratmeter. Die fertige Raumhöhe liegt bei etwa 2,50 Metern. Das ist genug Platz für ein ernsthaftes Heimkino, aber nicht so viel, dass Lautsprecher, Leinwand, Sitzpositionen und akustische Maßnahmen unabhängig voneinander geplant werden könnten.
In diesem Raum gab es schon vorher ein Heimkino. Rückblickend war es akustisch eine Fehlplanung meinerseits. Die Lautsprecher waren falsch positioniert, und ein durchgängiges Akustikkonzept gab es nicht. Ich hatte alles nach bestem Wissen geplant und gebaut und entsprechend viel Arbeit investiert. Aber genau darin lag das Problem: Eine sorgfältige handwerkliche Umsetzung kann eine falsche akustische Grundlage nicht nachträglich richtig machen.
Für den Neubau wurde der bisherige Aufbau deshalb entfernt und der Raum grundsätzlich neu gedacht. Mein Ziel war nicht einfach „mehr Technik“. Bild, Ton und Raum sollten als System funktionieren.
Der Plan als technischer Rahmen
Im März 2022 war Holgers Akustikplanung fertig. Bevor ich loslegte, sollte ich sie vollständig lesen, offene Punkte sammeln und anschließend gebündelt mit ihm klären. Auch während der Bauphase blieb er für Rückfragen erreichbar.
Das klingt zunächst unspektakulär, war für die Umsetzung aber entscheidend. Ein Plan ist nicht nur eine Zeichnung, die man an die Wand hält. Er ordnet Entscheidungen, die sich später nur mit großem Aufwand korrigieren lassen: Wo sitzen die Lautsprecher? Wie werden Front und Rückwand aufgebaut? Wo braucht es akustische Behandlung? Wie wird ein Double Bass Array in den Raum integriert? Und welche Bereiche müssen zugänglich bleiben, damit Verkabelung und Technik nicht hinter einer fertigen Oberfläche verschwinden?
Bei meinem Projekt umfasste die Planung Raumakustik, Positionierung, Produktempfehlungen und das DBA. Die konkrete Material- und Technikauswahl blieb dabei flexibel.1
Bei der akustischen Behandlung blieb es nicht bei einer unverbindlichen Empfehlung. Die vorgesehenen Sonitus-Absorber und Diffusoren bestellte ich bei Heimkinobau und verbaute sie im Raum. Das 60 Millimeter starke Dämmmaterial beschaffte ich entsprechend der Planung lokal im Bauhaus. Diese Mischung war typisch für das Projekt: Spezialkomponenten kamen vom Heimkino-Fachbetrieb, normales Baumaterial aus dem lokalen Handel – eingebaut habe ich beides selbst.
Auf der Baustelle musste sich der Plan dann an der Wirklichkeit bewähren: Maße abgleichen, Bauteile herstellen, Leitungswege sinnvoll ausführen und rechtzeitig klären, was später nicht mehr zugänglich sein würde. Die abschließende Einmessung arbeitete schließlich mit dem Raum, der tatsächlich entstanden war – nicht mit einer idealisierten Zeichnung.
Praktisch alles selbst gebaut
Unterkonstruktionen, Verkabelung, DBA-Gehäuse, Akustikelemente und die sichtbare Ausführung habe ich praktisch vollständig selbst gebaut. Holger stand mir für fachliche Rückfragen zur Verfügung, baute aber nicht mit. Die eine sinnvolle Ausnahme war die große Leinwand: Beim Zusammenbau, Drehen und Aufhängen half mir mein Schwager. Ein Bauteil dieser Größe allein im fertigen Raum zu bewegen, wäre kein sinnvoller Beweis von Eigenleistung gewesen.
Eine lückenlose Bauchronologie würde diesen Beitrag unnötig aufblasen. Hier konzentriere ich mich deshalb auf die Entscheidungen und Kontrollen, die das Ergebnis geprägt haben. Das DBA, die Techniksteuerung und einzelne Bauphasen bieten genug Stoff, um sie später separat zu zeigen.
Ein konkreter Kontrollpunkt ergab sich beim DBA. Für die acht Dayton Audio Ultimax UM12-22 fertigte ich die Gehäuse selbst. Vor der endgültigen Fertigstellung ließ ich den Aufbau nochmals von Holger bestätigen.
Anfang Januar 2025 war das vordere Ständerwerk gedämmt; die Woofer und die sieben MAG S6 waren fertig verkabelt. Bevor eine solche Konstruktion geschlossen wird, sollte die später verdeckte Technik geprüft sein. Holger erklärte mir dafür unter anderem einen einfachen Polaritätstest, bei dem die gleichgerichtete Bewegung der Membranen kontrolliert wird. Ich prüfte alle acht Woofer. Einer war an seinen eigenen Anschlüssen tatsächlich verpolt. Dort vertauschte ich die Kabel und testete erneut; danach bewegten sich alle acht richtig.
An der Rückwand entstand ein anderer Zielkonflikt. Im hinteren Ständerwerk sollten auch die Technik und mein Gaming-PC Platz finden. Deshalb konnte ich dort deutlich weniger Dämmmaterial unterbringen als vorne. Statt den Plan stillschweigend zu verändern, zeichnete ich die verbleibenden Dämmfelder ein und fragte nach. Holger bestätigte die Lösung im Zusammenspiel mit dem DBA. Das war keine perfekte Symmetrie um jeden Preis, sondern eine abgestimmte Entscheidung für Akustik, Technik und Zugänglichkeit.
Bei den HDMI-Strecken entschied ich mich bewusst für Einheitlichkeit. Für die Zuspieler und die Verbindung vom Denon zum Projektor verlegte ich durchgehend denselben hochwertigen HDMI-2.1-Kabeltyp. Damit musste ich später nicht rätseln, welcher verdeckte Leitungsabschnitt bei 4K mit 120 Hertz zum begrenzenden Glied wird. Bei Kabeln, die teilweise hinter fertigen Konstruktionen verschwinden, war mir diese Reserve wichtiger als eine kurzfristig günstigere Mischlösung.
Warum aus DALI Oberon sieben MAG S6 wurden
Professionell geplant heißt nicht, dass jede frühe Produktempfehlung unverändert bis zum fertigen Kino bestehen bleiben muss. Die wichtigste technische Änderung betraf die untere Lautsprecherebene. Ursprünglich waren dort sieben DALI Oberon On-Wall vorgesehen. Im September 2024 entschied ich mich noch während der Umsetzung für sieben MAG Audio Theatron Performance S6.
Die Oberon On-Wall blieben dabei eine reine Planungsposition: Ich habe sie weder gekauft noch in meinem Kino gehört. Deshalb ziehe ich keinen Klangvergleich zwischen ihnen und den MAG S6. Die sechs tatsächlich verbauten DALI Fazon SAT auf der Höhenebene klingen für mich ordentlich und erfüllen dort weiterhin ihren Zweck.
Vor der Montage der S6 stimmte ich die Änderung mit Holger ab. Dabei ging es nicht nur um die grundsätzliche Eignung, sondern auch um Hochtönerhöhe, Abstrahlverhalten, die rückwärtige Positionierung und mögliche Folgen für die Elektronik. Für die Surround-Backs musste außerdem die Kollision mit den Subwoofern gelöst werden. Sie kamen seitlich daneben und wurden auf den mittleren Sitzplatz der ersten Reihe ausgerichtet.
Nach der Erfahrung mit dem alten Kino wollte ich nicht wieder einen Zwischenkompromiss kaufen und ein Jahr später schon über den nächsten Tausch nachdenken. Von den S6 versprach ich mir mehr Dynamik, mehr Details und einen saubereren Klang.
Heute kann ich diese Erwartung klar von der späteren Erfahrung trennen: Die S6 haben meine Erwartungen erfüllt. Besonders Detailwiedergabe und Dynamik begeistern mich. Gegenüber meinen früheren Lautsprechern aus der Heco-Victa-Serie ist das für mich ein Unterschied wie zwischen zwei Welten. Einen entsprechenden Vergleich mit den nur geplanten DALI Oberon ziehe ich bewusst nicht. Entscheidend ist für mich, dass ich mit der Investition heute sehr zufrieden bin und nicht schon wieder über einen Austausch der unteren Lautsprecherebene nachdenke.
Das fertige Audio-Setup
Auf der unteren Ebene arbeiten sieben identische MAG Audio Theatron Performance S6: Front, Center, Surrounds und Surround-Backs bilden damit eine einheitliche Bed-Layer. Die sechs DALI Fazon SAT übernehmen die Höhenebene.
Der Denon AVC-X6800H verarbeitet das gesamte 13-Lautsprecher-Setup und treibt die sechs Höhenkanäle an. Die sieben MAG-Lautsprecher werden vollständig von einer IOTAVX-Siebenkanal-Endstufe versorgt. Im Bassbereich arbeitet ein 4+4-DBA: vier Subwoofer vorne und vier hinten, insgesamt acht Ultimax UM12-22 an einer Dynacord-Endstufe.
Beim DBA geht es mir nicht um die spektakuläre Zahl „acht Subwoofer“, sondern um kontrollierte Basswiedergabe im Raum. Holger wollte deshalb auch nicht, dass ich die Dynacord und das komplette Array allein zum ersten Mal aktiviere. Bei einem Fehler wäre das Risiko einer Beschädigung zu groß gewesen.
Vor dem Bau kannte ich aus meiner Lektüre vor allem das Versprechen: Ein DBA soll Bass präzise und knackig wiedergeben, statt den Raum dröhnen zu lassen. Genau so erlebe ich es jetzt bei mir. Der Bass kommt auf den Punkt, dröhnt nicht und überzeugt mich voll. Die acht 12-Zoll-Treiber von Dayton Audio sind für meinen Raum völlig ausreichend. In der zweiten Sitzreihe nehme ich etwas mehr Bass wahr als in der ersten. Warum das so ist, habe ich nicht getrennt untersucht; als Beobachtung gehört es trotzdem zur ehrlichen Bilanz.
3,14 Meter Bildbreite, die auch montiert werden mussten
Das Bild liefert ein JVC DLA-NZ500. Projiziert wird auf eine XODIAC Screens Masked im Format 16:9 mit 3,14 Metern sichtbarer Bildbreite und 3,30 Metern Außenbreite. Das gewebte Akustiktuch hat einen nominellen Gain von 0,70. Die Lautsprecher können damit unsichtbar hinter der Bildfläche arbeiten.
Bei der Auswahl zählte nicht nur die Bildbreite. Rahmen, Montage und die Lautsprecher dahinter mussten in die fertige Front passen. Die Metallhalter wurden deshalb direkt in tragende Balken geschraubt und nicht in die dünnen Latten der Stoffrahmen. Gleichzeitig durfte keine Rahmenleiste direkt vor einem Lautsprecherchassis liegen.
Auch die Bewegung im Raum musste vorab funktionieren. Mein Schwager und ich bauten den Rahmen liegend zusammen, stützten ihn auf die passende Höhe, drehten die fertige Leinwand im Raum und hängten sie gemeinsam ein. Aus einer Produktabmessung wurde so eine kleine Montageplanung, die sich in der Praxis bewährte.
Mein Ziel war ein maximal großes Bild. Deshalb entschied ich mich für 16:9 mit manueller Maskierung, statt die Bildfläche von vornherein stärker auf ein einzelnes Filmformat zu begrenzen. Die Maskierung ist kein Detail, das nur auf dem Datenblatt gut klingt: Ich verwende sie regelmäßig und passe sie konsequent an das jeweilige Bildformat an. So bleibt die große Fläche flexibel, ohne bei anderen Formaten dauerhaft ungenutzte helle Bereiche sichtbar zu lassen.
Die erste Inbetriebnahme bewusst nicht allein
Als der Raum fertig war, kam Holger Anfang November 2025 zu mir. Erst gemeinsam schlossen wir das DBA endgültig an und schalteten die Dynacord ein. Anschließend nahm er das Gesamtsystem in Betrieb und führte die Einmessung mit MultEQ-X vor Ort durch.
Der Unterschied danach war für mich nicht subtil, sondern um Welten besser. Ich hörte an diesem Termin allerdings erstmals das vollständige DBA im fertig aufgebauten und eingemessenen Gesamtsystem. Ob der große Sprung stärker vom DBA oder von der finalen Abstimmung kam, kann ich deshalb nicht auseinanderhalten.
Welche Filter, Übergänge, Pegel oder Verzögerungen dabei im Detail verwendet wurden, nenne ich bewusst nicht. Dafür liegen mir keine freigegebenen und überprüften Werte vor. Einstellungen aus dem Gedächtnis zu ergänzen oder aus einem anderen Projekt zu übertragen, wäre unseriös.
Der Premierenfilm im neuen Kino war Top Gun: Maverick. Bei den Flugszenen und dem umhüllenden Klang dachte ich nur: „So muss es sein – so ist es richtig gut.“ In diesem Moment fühlte sich das fertige Kino für mich erstmals wirklich als Ganzes an.
Was ich aus dem Projekt mitnehme
Unterschätzt habe ich nicht nur die Arbeitsstunden, sondern vor allem die vielen Abhängigkeiten. Welcher Schritt muss zuerst fertig sein, damit der nächste später noch zugänglich bleibt? Obwohl ich schon viel Werkzeug besaß, fuhr ich oft wegen Kleinteilen oder eines weiteren Werkzeugs zum Baumarkt. Diese Kopfarbeit kostete mindestens so viel Energie wie manches Sägen und Schrauben.
Der einzige Kompromiss, über den ich heute noch nachdenke, ist die obere Ebene mit den DALI Fazon SAT. MAG Audio CS1000 wären reizvoll gewesen. Aufwand und Kosten standen für mich aber nicht mehr im richtigen Verhältnis – die vorhandene Lösung ist bewusst gut genug. Sonst fällt mir derzeit nichts ein, das ich anders machen würde.
Heute bin ich vor allem froh, dass Planung und Eigenbau nicht gegeneinander gearbeitet haben. Der Plan hat das Kino nicht gebaut. Er hat aber dafür gesorgt, dass meine Arbeit, das Material und die vielen kleinen Entscheidungen am Ende in dieselbe Richtung geführt haben.
